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20160227

STADTENTWICKLUNG: Darmstadt 2030

Langer Lui
Die Darmstädter Mathildenhöhe wurde am 24. Juli 2021 zum Welterbe erklärt, doch in Darmstadt herrscht an anderen Orten akuter Handlungsbedarf. Die Liste auf der "Baustelle" Darmstadt ist lang und betrifft gestalterische Fragen, Entwicklungen in der Architektur, aber auch wirtschaftspolitische Themen.

Die neue Glaskonstruktion des TU Pützerturms ist eine unbefriedigende Lösung und erinnert mit dem Turmabschluss stark an den Beton-Brutalismusbau der St. Agnes Kirche in Berlin.  Die 2021 erbaute Brücke zum Gewerbegebiet West präsentiert sich als kolossales, überteuertes Achterbahn-Ungetüm. Der "Mengler-Bau" auf dem Friedensplatz braucht ein langfristiges Nutzungskonzept. Der Friedensplatz selbst präsentiert sich nach seiner Umgestaltung 2020 als triste Betonwüste. In der Schleiermacherstrasse - eine der wenigen urbanen Straßen in Darmstadt - müsste unbedingt Stadtreparatur betrieben werden und die Baulücken mit kleinteiligen Stadthäusern gefüllt werden. Auch die ehemalige großherzliche Landwirtschaftskammer wartet auf ihre weitere Nutzung.

Mehr als peinlich ist der Zustand des Nord- und Südbahnhofs. Als Entree für Besucher der Wissenschafts- und Digitalstadt und des gefeierten Zukunftsstandortes Nummer Eins Darmstadt ist der gammelige Zustand der besagten Bahnhöfe ein echtes Armutszeugnis. Des Weiteren scheint der verzweifelte Kampf um einen IC-Halt im Zuge des Streckenausbaus, eine unendliche Geschichte zu sein. Auch mit dem Auto sieht es nicht besser aus - fehlende Umgehungsstraßen führen zum täglichen Verkehrsinfarkt - besonders im Berufsverkehr. Der Neubau der Rheinbrücke scheint zu einem Jahrhundertprojekt mit jahrelanger Dauerbaustelle und Umleitungen zu werden. Neben allen ökonomischen Herausforderungen kommt noch der akute Mangel von bezahlbaren Wohnraum, insbesondere für junge Familien hinzu: Es wird schlichtweg zu wenig im unteren Preissegment gebaut. Man kann nur hoffen, dass Darmstadt trotz seiner Finanzprobleme die städtebaulichen Herausforderungen in der Zukunft bewältigen kann.

Ob als Wissenschaftsstadt oder als "digitale Stadt": Darmstadt muss sein vorhandenes Potential besser nutzen. Hier finden sich einige Inspirationsquellen für die zukünftige Stadtgestaltung, die Standortvermarktung und für das Stadtmarketing:

1. Weiterentwicklung der Mathildenhöhe

Das Jugendstilensemble Mathildenhöhe sollte als international vernetztes, interdisziplinäres Designzentrum weiterentwickelt werden. Als multikulturelle "Designcity" etabliert, würden sich herausragende Möglichkeiten für die Stadtvermarktung und die weitere Ansiedlung der "Kreativwirtschaft" ergeben. Die Aktivitäten des Architektursommers 2014 am Osthang der Mathildenhöhe waren ein erster Schritt für eine multiurbane Weiterentwicklung der Mathildenhöhe. Eine gute Nachricht gab es zudem 2021: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe wurde UNESCO Welterbe-Stätte.  

2. Bauliche Verdichtung an der Rheinstraße
Statt der desolaten Parkplatzbrachen bietet sich die dringend benötigte Ansiedlung einer internationalen Schule, eines "Betahauses" sowie digitalnaher "Innovations Office Space Suites" (s. z.B. "The Hub", Glasgow) und kreativer Lofts nach dem Beispiel der "Kleinschen Höfe" an. Die Darmstädter Rheinstraße könnte auf den Schotterflächen in Richtung Hauptbahnhof zudem mit stadtnahen Townhouses verdichtet werden. Desweiteren wäre eine Erweiterung des gastronomischen Angebotes zur Ergänzung des fußnahen Multiplex-Kinos und zur schon bestehenden Gastronomie denkbar.

3. Belebung der Innenstadt 
Ursprünglich stand auf dem Wilhelminenplatz das historische "Neue Palais". Jetzt fehlt hier eine historisch inspirierte Blochrandbebauung gegenüber vom Staatstheater, um diesen unwirtlichen Ort neu zu strukturieren. Hier würde sich eine gastronomische Nutzung (Ergänzung zur Wilhelmspassage) als Frequenzbringer anbieten, welches weitere Kaufkraft für die City in Darmstadt bindet und der Konkurrenz auf der grünen Wiese Paroli bietet. Des Weiteren müsste in der Luisenstraße der langgestreckte, abweisende "Betonriegel" des Karstadt-Baus zur Fußgängerzone hin baulich geöffnet werden.

4. Stadtreparatur in der Altstadt
Altstadt Darmstadt Holzstraße
In der Darmstädter Altstadt sind umfangreiche stadtbildende Maßnahmen unbedingt nötig. Die derzeitige, teilweise klägliche Bebauung rund um die Stadtkirche muss dringend mit einer altstadtgerechten, kleinteiligen Bebauung z. B. Townhouses aufgewertet werden. Auch altstadtgerechte Häuser mit Mikroapartements für Berufspendler, Studenten und Berufseinsteiger wären denkbar. Dort wo jetzt teilweise Billigläden und austauschbare Ketten residieren fehlen zudem weitere Cafes, Kneipen und kleine Läden. Auch das gastronomische Angebot auf dem Marktplatz sollte weiter ausgebaut werden. 
Neben der lebhaften Krone sollte auf dem - seit Jahren brachliegenden "Saladin"-Gelände" - eine "bauliche Spange" aus Clubs und Cafes Richtung Schlosskeller entstehen. Baulich sollte der historische Jugendstilbau des ehemaligen Kaufhauses Hess (Saladin-Bau) aufgegriffen werden. Der im September 2015 von einer Fachjury gekürte Siegerentwurf entspricht in keiner Weise der exponierten Lage und trägt zudem nicht gerade zur Stadtreparatur bei. 2019 erwarb dann die TU das Gelände. In Bau ist nun ein Internationalen Begegnungs- und Servicezentrums. Nicht zuletzt müsste die Verkehrsschneise Holzstraße zurück gebaut werden und das Areal bis hin zur Teichhausstraße altstadtgerecht verdichtet werden.

5. Instandhaltung öffentlicher Raum und Grünanlagen
Instandsetzung der Brunnen (siehe auch UWIGA-Beschlussvorlage vom 4.08.2006) und Denkmäler, durchgängige Anti-Graffiti-Beschichtungen für öffentliche Gebäude und private Gebäude (s. z.B. Frankfurter Straße am Herrngarten und Herrngartenmauer Schlossgartenstraße) sowie eine stärkere Präsenz und Überwachung des zunehmend vermüllten Herrngarten durch Parkwächter sind dringend geboten. Ziel muss es sein, die zunehmende städtebauliche Verwahrlosung bis hin zum Vandalismus an Denkmälern sowie mutwillige Umweltzerstörungen zu verhindern. Darmstadt macht leider vielerorts einen gammeligen, dreckigen und ungepflegten Eindruck mit vernachlässigten Fassaden und Gärten wie z. B. den teilweise desaströsen Vorgartensituationen am Rhönring und auf der Mathildenhöhe. Die Instandsetzung von desolaten und heruntergekommenen Gebäudefassaden sollte mit einem Fassadenrenovierungsprogramm gefördert werden. Der Woog sollte mit einem "grünen Band" über die "Schotterparkplätze" am Jugendstilbad und der Altstadtgrünanlage hinweg mit der Grünanlage am Schlossgraben zur City hin verbunden werden.

6. Mitbestimmung ermöglichen
Mehr Bürgerbeteiligung durch Einrichtung von Ortsbeiräten in allen Darmstädter Stadtteilen. Etablierung von Stützpunkten für ein dezentrales Quartiersmanagement zur Förderung von Wohnen, Gewerbe und bürgerlichem Engagement.

7. Verkehrspolitik verbessern
Themen in Darmstadt sind beim Verkehr die Einrichtung und Überwachung von 30km-Zonen, Schaffung von Anwohnerparken und weiteren Einbahnstraßen in Wohngebieten, Abschaffung von unnötigen Ampeln ("mehr Kreisverkehr") und Blitzerkästen, Einrichtung von grünen Wellen im Stadtgebiet, die Senkung der Parkgebühren, der Bau einer Stadtumgehung, bessere Park & Ride-Möglichkeiten - Stichtwort "Nordbahnhof" sowie die Verbesserung der Taktung der Buslinien.

8. Zentrum für die Raumfahrt: Luft- und Weltraummuseum als Besuchermagnet
Darmstadt bitte melden! Darmstadt beherbergt das Europäische Raumflug-Kontrollzentrum ESOC und ist damit ein bedeutender Standort der Europäischen Weltraumbehörde ESA. Diese bedeutende Weltraum-Einrichtung könnte - z. B. mit der Etablierung eines Raumfahrtmuseums - ein größerer Ankerpunkt für die touristische Stadtvermarktung sein. Darmstadt ist eine der europäischen Hauptstädte der Raumfahrt. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum dieses bedeutende und interessante Merkmal der Stadt nicht ausreichend touristisch vermarktet wird. Wie es besser mit der touristischen Vermarktung geht, zeigen andere europäische Luftfahrt- und Raumfahrtstandorte: So kommen ins National Space Centre ins englische Leicester, ins Space Expo in Nordwijk/NL und in den Themenpark "Cité de léspace" in Toulouse/Frankreich jedes Jahr tausende Besucher und staunen über die erlebbare Raumfahrt-Wissenschaft. Darmstadt könnte auch der Standort für ein übergreifendes "Luft- und Weltraummuseum" sein, denn nicht nur das bedeutende Europäische Raumflugkontrollzentrum ESOC hat seinen Sitz in Darmstadt, sondern auch der geschichtsreiche August-Euler-Flugplatz - der erste Flugplatz den es in Deutschland gab. Bei der Konzeption des Museums dürfen dabei natürlich nicht die Fehler wie beim überdimensionierten und unrentablen Bremer "Space Center" gemacht werden. Darüber hinaus könnte sich Darmstadt als Gastgeber für den IAC (International Astronautical Congress) bewerben. Ein bisschen Hoffnung bleibt: Link von 2025 zu evtl. Plänen der ESOC für ein Weltraum-Besucherzentrum in Darmstadt. 

9. Bessere Vermarktung der Waldspirale
Das von Hundertwasser geschaffene Bauwerk "Waldspirale" in Darmstadt ist vermutlich schöner und größer als das Hundertwasser-Haus in Wien. Nur kommen zum Hundertwasser-Haus nach Wien Millionen Touristen und zur Darmstädter Waldspirale nicht einmal ein Bruchteil davon. Auch Magdeburg zeigt z. B. wie man einen Hundertwasserbau bestens vermarktet. In Darmstadt fehlt selbst zur Rast ein ebenerdiges Cafe am Hundertwasserhaus. Von einem Jugendstil-Shop wie in Riga das "Art Nouveau" kann man nur träumen. Bar, Kiosk und Cafe im Hundertwasserhaus sollten wieder vermietet werden. Der ausgetrocknete Teich wieder befüllt werden. Insgesamt gesehen muss zukünftig eine deutlich bessere Vermarktung der Waldspirale realisiert werden. Hundertwasser war seiner Zeit voraus: Bauten wie die 2006 eröffnete Nanyang Universität in Singapur mit ihrem grünen Dach und weitere zeitgenössische ökologische Bauten zeigen das. Darmstadt hätte um die Waldspirale herum ein ökologisches Vorzeigequartier mit Weltgeltung bauen können - doch das wurde leider verpasst.

10. Schaffung Wohnraum
Darmstadt wächst seit Jahren und es herrscht akuter Mangel an bezahlbaren Wohnraum. Die Fluglärmverordnung verhindert vielfach die Ausweisung neuer Wohngebiete. Wo möglich muss nachverdichtet werden und es müssen zentrumsnahe Baulücken im Stadtgebiet geschlossen werden und unnötige Leerstände unterbunden werden. Dabei müssen natürlich nachbarschaftliche, gestalterische und ökologische Aspekte beachtet werden.

11. Wirtschaftspolitik: Ansiedlung der Kreativwirtschaft forcieren
Während in anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes riesige Gewerbegebiete aus dem Boden gestampft wurden, sind viele Darmstädter zum täglichen Pendeln gezwungen, weil Darmstadt nicht genügend Jobs bietet und neue Gewerbeflächen knapp  sind und Ansiedlungen nicht zustande kommen (s. Ikea). Hier muss eine offensive Ansiedlungspolitik, unter besonderer Förderung der Kreativwirtschaft (Cluster aus Design, Mode, Musik, Werbung, Kunst, Film und Verlage), zukünftig mehr Arbeitsplätze in Darmstadt schaffen. Einen beispielhaften Ansatz zur Förderung der Kreativwirtschaft findet man z. B. in Frankfurt am Main (s. "Roter Teppich für die Kreativen").   

20101102

Ein LEITFADEN für Darmstadt-Besucher: TOP Sehenswürdigkeiten

Die im südlichen Hessen liegende Stadt Darmstadt hat, laut Zensus 2011, knapp 146.000 Einwohner (ca. 33 % davon mit Migrationshintergrund, 32 % der Bewohner sind Studenten - höchster Anteil in Deutschland). Die Darmstädter werden im Volksmund auch "Heiner" genannt. Früher, bis zu deren Abzug, prägten die vielen GI´s die Stadt. Heute ist besonders der öffentliche Dienst in Darmstadt stark vertreten: Die vielen städtischen, juristischen und universitären Ämter, Behörden und Verwaltungen machen die Stadt fast zur "Beamtenstadt". Der Darmstädter gilt nach einer Untersuchung als "Phlegmatisch" und "Harmoniebedürftig" . Und in der Tat, hier gibt es auch bei den vielen Bauskandalen, Schlaglöchern und verschobenen Bauprojekten keine große Aufregung bei der überwiegend gelassen wirkenden Bevölkerung. Die Stadt ist nicht an allen Stellen eine Schönheit - vor allem die City wird von den Innenstadtbesuchern als "mittelmäßig" attraktiv eingeschätzt - besonders bei der Stadtgestaltung gibt es Nachbesserungsbedarf .

Darmstadt zählte im Jahr etwa 10 Mio. Tagesgäste im Jahr und 600.000 Übernachtungen bei einer durchschnittlichen Verweildauer von knapp 2 Tagen und einer Hotelbettenauslastung von etwa 40 % (Stand 2012, s. auch Touristen - Darmstadt auf Platz 38). Rund ein Drittel der Gäste kamen aus dem Ausland. Geschäftsreisende und Kongressteilnehmer machten 80 % aller Besucher aus. Die meisten Touristen kamen aus den USA und Großbritannien. 

Wer geschäftlich oder privat nach Darmstadt kommt, als Besucher, Kongressteilnehmer oder Neubürger, der kommt zunächst oftmals mit dem Zug an. Und so beginnt auch unser kleiner "Darmstädter Leitfaden" am 1912 erbauten Darmstädter Hauptbahnhof. Dieser ist ein echtes Jugendstiljuwel - und auch wer das Gebäude verlässt, blickt auf einen ansehnlich-gepflegten Bahnhofsvorplatz, mit Blick nach rechts zum majestätischen Fürstenbahnhof. In der Nähe befindet sich auch der beinahe 1978 abgerissene Wasserturm und das Postgebäude - in einem gewaltigen neoklassizistischen Bau von 1912 - dem ehemaligen "Kaiserlichen Postamt". Da der Bahnhof relativ weit außerhalb des Stadtzentrums gebaut wurde, ist nun eine Fahrt mit Bus oder Straßenbahn fällig. Dieser Weg führt meistens über die breite Einfallsschneise "Rheinstraße" - ein eher schockierendes Erlebnis - denn links und rechts stehen einige Bauten, die einen fatal an die Aufbauleistungen sozialistischer Kleinstädte erinnern.

Johannesviertel Darmstadt
Hat man die Beton-Blöcke hinter sich gelassen, gelangt man zum - von unzähligen Bus- und Straßenbahnlinien durchschnittenen - Luisenplatz, der guten oder zumindestens lautstarken "Stube" in der Darmstädter Innenstadt. Auf der einen Seite eingerahmt wird dieser vom etwas in die Jahre gekommenen Luisencenter - einem überschaubar-netten, innerstädtischen Einkaufscenter. Warum man in Weiterstadt auf der grünen Wiese statt in der Darmstädter City ein neues Einkaufscenter gebaut hat bleibt indes rätselhaft. Auf dem Luisenplatz fällt ansonsten noch das Ludwigsmonument ins Auge - von den Darmstädtern nur "langer Lui" genannt. Darmstadt verfügt über eine ausgeprägte Punkerszene, die hier gerne verweilt - spötter meinen, dieses sei das einzige großstädtische Merkmal von Darmstadt. Aber das stimmt nicht: Zwar wurde das Darmstädter Zentrum im Weltkrieg zu 99 % zerstört und mäßig schön wieder aufgebaut, aber außerhalb des Zentrums, z. B. im historischen Johannisviertel (mit dem sehenswerten Johannesplatz und über 350 Baudenkmälern!), und dem Komponisten- sowie dem Paulusviertel (mit dem tollen Paulusplatz und der Pauluskirche und dem Haus Haardteck in der Nähe), besitzt Darmstadt viel großstädtisches Flair. Besonders das gastronomisch ansprechende, altbaubestückte Martinsviertel geht - nachdem 2003 das 3klang eröffnete und damit ein Gastro-Boom ausgelöst wurde - mittlerweile als "kleiner"-Prenzlauer Berg durch. Der rührige Darmstädter Stadtteil Martinsviertel war ehemals ein Arbeiterwohngebiet und wurde ab 1972, fast dreißig Jahre lang, mit seinen vielen Innenhöfen aufwändig saniertEin Massenabriss in den 60iger Jahren und ein Schnellstraßenprojekt ("Osttangente") durch das Viertel in den 70iger Jahren, konnten zum Glück verhindert werden. Der Stadtteil weist insbesondere gründerzeitliche Bauten im Stil eines reduzierten Historismus auf. Daneben gibt es noch einige Bauten aus der Zeit des Jugendstils. Die meist in Ziegelbauweise errichteten Bauten sind verputzt und oftmals mit ornamentaler Bauplatik aus Sandstein dekoriert.  Hübsche Fachwerkbauten finden sich u.a. in Alt-Bessungen und in Eberstadt. Schöne Villen, davon viele Baudenkmäler, sind z. B. im Komponistenviertel zu finden.

Es gibt für eine Universitätsstadt zu wenige Kneipen, Cafes, Clubs und Restaurants, aber zumindest viele Parks und Freizeitmöglichkeiten in Darmstadt. Mit Darmstadt 98 - den "Lilien" - gibt es zudem in Darmstadt einen Fußball-Traditionsverein (hier begann z. B. Weltstar Cha-Bum seine Karriere in Deutschland) der mit dem Stadion am Böllenfalltor viele Fußballfans anzieht. Zurück zum Zentrum: Dieses wird geprägt von dem üblichen Gewerbemix, der in allen deutschen Städten vorherrscht. Leider fehlt eine hübsche Altstadt in Darmstadt zum flanieren und auch die Marktplatzbebauung könnte eine bauliche und gestalterische Aufwertung vertragen. Am Marktplatz befindet sich im Alten Rathaus der Ratskeller und "Henschel" - eines der führenden Modehäuser von Darmstadt. Unweit steht der "Weiße Turm". Schöne kleine Geschäfte finden sich in der Schulstrasse und interessant ist auch die ruhige Schleiermacherstrasse. In der Schleiermacherstraße 8 ist das markante „Baumhaus“ von Architekt Ot Hofmann – ein visionär-ökologisches Haus von 1973. Die Stadt beherbergt riesige unterirdische Parkhäuser und hat mit dem Citytunnel eine unterirdische Straßenführung. Dabei ist der Citytunnel eine beliebte Partymeile - insbesondere bei großen Fußballereignissen wird dieser kurzerhand von feiernden Darmstädtern oftmals in Beschlag genommen und für den Autoverkehr gesperrt.

Darmstadt liegt leider nicht an einem größeren Gewässer oder Fluss - was die Stadt attraktiver machen würde. Zumindest gibt es mitten im Stadtzentrum die rührige und sehenswerte Veranstaltungslocation Centralstation und das Staatstheater, das mit einem kosmopolitischen Vorplatz aufwarten kann. In Reichweite des Theaters befindet sich der Alice-Obelisk und die imposante Kuppelkirche St. Ludwig - ein Werk von Moller von 1822/27 - der erste katholische Kirchenbau in Darmstadt nach der Reformation. Des Weiteren gibt es in der Innenstadtlage den futuristische Veranstaltungs-, Tagungs- und Eventkomplex Darmstadtium (mit einem eingebauten Teil der Stadtmauer) und gegenüber das schöne Residenzschloss mit lauschigen Innenhöfen, einem schön gestalteten Schlossgraben und einem netten Biergarten auf der Bastionsmauer. Wer durch die Höfe des Schlosses weiter läuft gelangt - wenn nicht gerade wieder Eventzelte den schönen Platz versperren - zum Karolinenplatz mit  den historischen Bauten des von Alfred Messel geschaffenen Hessischen Landesmuseums und des Haus der Geschichte mit dem Hessischen Staatsarchiv (untergebracht im ehem. Hof- und Landestheater von Moller - mit dem beeindruckenden Karolinensaal). Dahinter verbirgt sich der sehenswerte Herrngarten - ein großzügiger Park (u.a. mit dem Goethe-Denkmal von Ludwig Habich) an dessen Ende der romantische Prinz-Georg-Garten mit dem Porzellanschlösschen und dem Gartenhaus liegt. Eine weitere tolle Parkgartenaanlage findet sich im Stadtteil Bessungen - der Prinz-Emil-Garten mit dem Schlösschen. Desweiteren findet sich in Bessungen die schöne Orangerie. Sehenswert ist auch der riesige, historische Waldfriedhof.

Wer nicht nur als kurzzeitiger Besucher nach Darmstadt kommt und Parks liebt, der sollte sich auch noch die Rosenhöhe - ein historischer Park im Osten Darmstadts, das Oberfeld mit Biobauernhof, den Botanischen Garten der TU, den schönen Tierpark Vivarium, den Nordpark (dort ist ab und zu Flohmarkt und dort ist auch der riesige Bayerische Biergarten gelegen), das idyllische gelegene Oberwaldhaus mit dem Steinbrücker Teich und das Jagdschloss Kranichstein mit seiner Gartenanlage und die toll angelegte Reitanlage Kranichstein anschauen. Wer Brunnen liebt, der sollte sich den schönen Tierbrunnen anschauen.

Und hier noch einige Geheimtipps für Architekturfans: In der Landwehrstraße befindet sich eine origninalgetreue Zeppelinhalle, die heute als Parkhaus genutzt wird. Im mit Fachwerkbauten ausgestatteten Stadtteil Arheilgen gibt es mit  dem Bürgerzentrum "Zum Goldnen Löwen", einen bis heute für Veranstaltungen genutzten Jugendstilsaal. Eine tolle Veranstaltungslocation ist auch der "Schwanensaal" (Ernst-Ludwig-Saal) von 1909 in Eberstadt. Schön ist auch in Eberstadt die Straße Am Elfengrund mit der schönen Villa Am Elfengrund 71. Weiter Nordwestlich in Darmstadt, im Rodensteinweg 2, befindet sich mit dem "Alten Schalthaus" ein sehenswerter Bau von 1926 im Stil des Klinkerexpressionismus. Ein historisch nachgeahmter Bau im Stil eines "Schweifgiebelhauses" (fertiggestellt 2013) ist in der schönen Magdalenenstr. 25 zu bewundern. Direkt gegenüber steht die im Jugendstil 1904 errichtete ehemalige Maschinenhalle - von der TU als Vorlesesaal 2013 umgebaut. Sehenswert ist auch die in der nähe befindliche, 2012 eröffnete Zentralbibliothek auf dem Campus Mitte. Um die Ecke - in der Hochschulstraße stehen alte TU-Gebäude wie der 1904 von Friedrich Pützer errichtete Pützerturm. Dieser war einst ein Wahrzeichen der Hochschule - im Krieg leicht zerstört, nach dem Krieg zerstümmelt und ab 2015 zumindest "Innen" wieder saniert. In der Nähe lohnt sich ein Besuch des mit Architekturbüchern gut sortierten Georg Büchner Buchladen in der Lauteschlägerstr. 18. An dieser Stelle ein weiterer Tipp zum Thema Bücher: Das Antiquariat Bläschke in der Sandstraße 38.

Aus der Wiederaufbauepoche stechen positiv hervor, der Neufert-Meisterbau in der Pützerstraße 6 (unterhalb der Mathildenhöhe) von 1954 und das Haus Finkeisen ("Wilhelminenhof") von 1955 in der Wilhelminenstraße mit einem Scraffito des Künstlers Ernst Vogel sowie das Ludwig-Georgs-Gymnasium von 1955 von Max Taut. Weiterhin sehenswert ist die historische - unter Denkmalschutz stehende - ehemalige "Merck-Villa" in der Annastraße 15, sowie das als Hotel 1899 eröffnete und heutige Begegnungszentrum "Lichtenberghaus" in der Dieburger Straße 241. Begegnungen der kulturellen Art finden auch im "Achteckhaus" - einem schönen Renaissancebau in der Mauerstraße 17 statt. Ein schönes bauliches Ensemble bildet auch die "Waldkolonie". Insgesamt gibt es etwa 2.450 geschütze Bauten, Denkmäler und Objekte in Darmstadt.

Weiter mit dem Pflichtprogramm der "Darmstädter Sehenswürdigkeiten": Das UNESCO-Weltkulturerbe Messel in der Nähe von Darmstadt und das Weltkulturerbe Mathildenhöhe mit dem einzigartigen Jugendstilensemble muss man als Besucher Darmstadts gesehen haben. Der Hochzeitsturm oder auch Fünffingerturm (Vorbild für die "schützende Hand" über der Stadt war das orientalische Symbol "Fatimas Hand") ist das Wahrzeichen der Stadt. Sehr schön auch die Russische Kapelle auf dem Gelände der Mathildenhöhe. Nur wenige Autominuten entfernt von der Mathildenhöhe befindet sich das historische Jugenstilbad - für Baden, Sauna und Spa. Toll ist auch der Woog - ein Badesee in der Stadt und toller gleichnamiger Gastronomie. Ein weiterer Pflichtbesuch sollte der mitten zwischen Mietskästen und Discounter-Markt stehenden Waldspirale gelten - ein imposanter, von Hundertwasser geschaffener Wohnbau. Spätestens wenn man als Besucher dort angekommen ist merkt man dass Darmstadt zwar ein gewaltiges Potential hat, dieses aber nur mangelhaft nutzt bzw. vermarktet. Die touristische Infrastruktur z. B. könnte vielerorts besser sein, es gibt an vielen Stellen zu wenige trendige Cafes, Bars und Restaurants. Darmstadt ist eine weitgehend sichere Stadt, aber es gibt eine gefühlte Unsicherheit und manchmal würde man sich mehr Stadtstreifen in der City wünschen. Vieles wirkt im Stadtbild leider vernachlässigt und fast die ganze Stadt ist mit Graffititags und Aufklebern verunstaltet. Darüber hinaus gibt es auf den Straßen und Gehwegen Schlaglöcher ohne Ende und viele Plätze in der Stadt sind leider "Taubenverkotet". Schade, dass die Stadt so hoch verschuldet ist, dass für Fassadenprogramme und Straßenreparaturen - wie in vielen anderen Städten auch - kaum noch Geld da ist.

Die TOP-Sehenswürdigkeiten von Darmstadt  

Das Wahrzeichen ist der "Lange Lui" (Ludwigsmonument) auf dem Luisenplatz. Doch es gibt noch weitere, herausragende Sehenswürdigkeiten in Darmstadt:

Sehenswürdigkeiten1. Das Jugendstilensemble Mathildenhöhe mit dem Hochzeitsturm, der russischen Kapelle uvm.
2. Das Hundertwasser-Haus "Waldspirale". 
3. "Moller-Bau"und das Hessische Landesmuseum
4. Der Park Herrngarten und angrenzender Prinz-Georgs-Garten.
5. Der Woog - traumhafter Badesee am Rande des Stadtzentrums.
6. Schloss mit Schlossgraben - ein Ort der Entspannung.
7. Die Rosenhöhe - zauberhafte Grünanlage mit dem Rosarium, Mausoleum und dem bezaubernden Pförtnerhäusschen.
8. Das Jugendstilbad - toll renovierte Bade- und Spa-Anlage.
9. Der urbane Wilhelminenplatz mit Staatstheater und dem schönen Mollerhaus.
10. Die Orangerie mit dem Schlösschen im schönen Stadtteil Bessungen.
11. Der beschauliche Paulusplatz mit dem Gebäude der EKHN (ex Landeshypothekenbank/Paul Meissner) und der Pauluskirche von Friedrich Pützer.
12. Prinz-Emil-Garten mit Schlösschen im Stadtteil Bessungen
13. Die Stadtkirche in der früheren Altstadt
14. Ludwigstempel in der Albert-Schweitzer-Anlage
15. Merck-Villa in der Annastraße 15 (1897/98 erbaut vom bekannten Münchener Historismus-Architekten Emanuel von Seidl, der u.a. das Staatstheater am Gärtnerplatz in München erbaute)
16. Die Stadtmauer mit dem Hinkelsturm u. Überreste Stadt- und Gefängnismauer
17. Das Achteckhaus - Renaissancebau
18. Ehem. Reichsbankgebäude Kasinostraße 5
19. St. Ludwig - schöner Kuppelbau
20. Der weiße Turm in der Innenstadt
21. Die Meisterbauten 
22. Villenkolonie Darmstadt-Eberstadt
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>>> Mehr zur verlorenen Altstadt findet sich im Altstadtmuseum im Hinkelsturm
>>> Sehenswürdigkeiten von Darmstadt hat auch Wikipedia aufgelistet
>>> Die Liste der Kulturdenkmäler in Darmstadt ist hier bei Wikipedia zu finden.

Alle Angaben ohne Gewähr.  

20100415

Bauerbe Wunschliste: STADTREPARATUR in Darmstadt

Stadt reparieren
WUNSCHLISTE ARCHITEKTUR DARMSTADT 
1. MathildenhöheRekonstruktion Haus Christiansen (dort steht nach Kriegszerstörung nun der Brunnen von Karl Hartung (1958). Ein Museumsbau (Sander) an dieser Stelle kam nach Protesten 2010 nicht zustande. Links: Haus Christiansen, Bilder, Bilder   Sonstige: 
http://www.freunde-der-mathildenhoehe.de/assets/Uploads/Links/MathildenhoeheZusammenfassungFachforum2.pdf
+ Mathildenhöhe: Restaurierung mit Reko Haus Olbrich 
s. auch https://www.freunde-der-mathildenhoehe.de/assets/Uploads/Aktuelles/Resolution-Olbrich-Haus-20170515.pdf
2. Zeitnahe Revitalisierung ehemalige Großherzogliche Landwirtschaftskammer
Das 1914 errichtete Gebäude an der Rheinstrasse 62 wurde vom Architekt Wilhelm Thaler im Neobarock-Stil als Verwaltungsgebäude erbaut. Auf der Balkon-Balustrade des denkmalgeschützten Baus stehen vier Putten von Heinrich Jobst (der z. B. auch den Jobst-Brunnen am Hauptbahnhof errichtete). Nach der Nutzung als Großherzogliche Landwirtschaftskammer wurde das Gebäude ab 1945 dann einige Jahre als Sitz der "Deutschen Regierung des Landes Hessen" genutzt, danach als Zweigstelle des Regierungspräsidiums Darmstadt. Das Gebäude steht (Stand 2022) seit einigen Jahren leer und ist im Privatbesitz eines Kunstsammler-Ehepaares. Es gab wohl Pläne für ein Kunstmuseum oder für ein Hotel.
3. Literarium Erhalt Gewölbe
4. "Bangerts Eck" - um weitere Abrisse zu vermeiden, sollte eine Erhaltungssatzung Martinsviertel beschlossen werden
5. Das Maschinenhaus wurde vor einigen Jahren fachgerecht saniert. Nun sollte es nicht weiter umgebaut werden und kein neuer Eingang am Jugendstilportal TU Maschinenhaus Magdalenenstraße entstehen.
6. Sanierung des Jobst-Brunnens
7. Infoplakette Neue Palais
8. Fassadenrekonstruktion Altes Palais und Städtebauliche Öffnung des Karstadt-Betonriegels in der Luisenstraße.
9. Stadteinfahrt Rheinstraße: Lofts und Stadthäuser auf Parkplatzbrachen an der Rheinstraße
10. AltstadtKleinteilige, altstadtgerechte Bebauung rund um die Stadtkirche. Kleinteilige Verdichtung rund um die Insel und am Alten Pädagog. City-Ring - Verkehrsberuhigung und Rückbau Hügel/Holzstraße
11. "Pützerturm" TU, Rekonstruktion der Turmhaube des Pützerturms
2019 wurde leider statt einer Rekonstruktion ein moderner Glasquader gebaut. Hier sollte unbedingt nachgebessert werden.
12. Schleiermacherstraße, Stadtreparatur mit schließen der Baulücken.
13. Errichtung eines Stadtmuseums. Hier eine tolle Website dazu.
14. Ertüchtigung (Bar, Kiosk, Cafe, Teich) und bessere Vermarktung Hundertwasserhaus