20101104

Verkehrte Welt in Darmstadt

ÖPNV
Bis heute fällt es der Stadt offensichtlich schwer ihre Bürger in die "kiezbetreffenden Entscheidungs-Prozesse" mit einzubeziehen. So gibt es in Darmstadt fast keine eingerichteten Ortsbeiräte (nur im eingemeindeten Wixhausen - s. dazu auch Artikel des DA Echo vom 13.09.10 "Wollen die Eberstädter einen Ortsbeirat?"). In anderen Städten sind Ortsbeiräte dagegen eine weitgehende Selbstverständlichkeit. Auch ein funktionierendes Quartiersmanagement, z. B. zur Vermeidung von Läden-Leerständen, wäre in vielen Darmstädter Stadtteilen hilfreich.

Unnötiger Durchgangsverkehr, keine Parkplätze, zuviele Ampeln
Das bürgerunfreundliche Ergebnis mangelnder Mitenscheidungs-Möglichkeiten: Statt verkehrsberuhigter Anliegerstraßen, Verkehrshemmung durch Einbahnstraßen (s. z. B. wie in Frankfurt/M.) oder Parkberuhigung durch Anwohnerparken werden vielerorts Wohngebiete in Darmstadt von einem unnötigen umweltfeindlichen Durchgangsverkehr durchschnitten und konsequent von quartiersfremden PKW´s, Wohnmobilen und Lieferwagen zugeparkt (s. auch Artikel zum verhinderten Anwohnerparken im DA Echo "Anregung für mehr Anwohnerparken" vom 20.10.10). Ein schlimmes Beispiel findet sich z. B. im Martinsviertel: die dicht bewohnte Liebfrauenstraße - Tempo 30 Zone - wird im Berufsverkehr als rasende Ausweichstrecke zum Rhönring genutzt. Da es auch kein Anwohnerparken gibt, sind die Anwohner zudem oftmals gezwungen mehrere "spritschluckende", ökologisch sinnlose Runden durch das Viertel zu fahren, bis endlich ein freier Parkplatz gefunden wurde.

Ein weiteres Ärgernis in Darmstadt: Zuviele Ampeln, zuwenig "grüne Wellen" (s. auch DA-Echo-Artikel vom 02.03.11, "Ampelschaltung: "Die Hirnlosigkeit ist grenzenlos"), das fehlen von ökologisch sinnvollen Kreisverkehren (s. auch DA-Echo-Artikel vom 26.01.12, "Darmstadt braucht mehr Kreisel") und die vielerorts unnötigen Ampelabschaltungen zur verkehrsarmen Nachtzeit. Ein weiterer Schildbürgerstreich in Darmstadt war der Plan sogenannte "Pförtnerampeln" einzuführen, um damit den Verkehr in der Stadt zu dosieren und somit die Luftschadstoff-Grenzwerte einzuhalten. So werden ökologisch unsinnvolle Massenstaus provoziert.

Verkehrstechnische Überregulierung und unnötige Blitzerkästen
In der Uni- und "Wissenschaftsstadt" Darmstadt sind ofensichtlich viele Techniker und Ingenieure am Werk,  die zum Teil für eine planerische Überregulierung der Verkehrsströme sorgen. Darmstadt ist wohl die Staustadt Nr. 1 in Hessen. Hinzu kommen noch zweifelhafte Blitzer-Überwachungskameras wie an der Kreuzung "Pallaswiesenstraße / Rößlerstraße". Mittlerweile ist die gesamte Stadt mit Hightech-Blitzerkästen zugestellt - selbst an Stellen, an denen keine verkehrstechnischen Gefahrenstellen zu erkennen sind.

Mängel des ÖPNV und des Park & Ride-Systems
Große Mängel gibt es beim öffentlichen Nahverkehr. Der H-Bus z. B., die wohl wichtigste "ÖPNV-Lebenslinie" Darmstadts, hält an allen erdenklichen Stationen und durchstreift im Schneckentempo ganztägig vollgepackt mit Schülern, Pendlern und City-Besuchern die Stadt. Statt diese Linie zu entlasten - z. B. mit Schnelllinien zum Hauptbahnhof, verkehrt diese stur im 15-Minuten-Takt und zuckelt spät Abends am Wochenende - sogar nur alle 30 Minuten - quer durch die Stadt. Überhaupt: Alle Linien fahren immer gleichzeitig los - zwar gibt es den Vorteil allseitiger Umsteigemöglichkeit, aber selbst am hoch frequentierten Hauptbahnhof wartet man so manchmal 15 Minuten auf seine Linie, um in die City zu kommen. Desweiteren sollte eine Verbesserung des Park & Ride-Systems (z. B. am P&R Nordbahnhof (s. Luftreinhaltung) umgesetzt werden.

Teure Parkhäuser wegen mangelnden Wettbewerbs
Apropos Infrastruktur: Das Parkhäuser in Citylage auch günstiger und gepflegter sein können als in Darmstadt, sieht man z. B. in Hannover - dort gibt es eine ordentliche Konkurrenz unter den Parkhaus-Betreibern und die Preise fallen und fallen (siehe dazu Artikel der HAZ vom 06.04.10 "Parkhäuser in Hannover liefern sich Preiskampf").

Ein toller Hintergrundartikel zum Thema bietet der Zeit-Artikel "Parken nur für Reiche".  qs

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